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Die Piratenpartei kapert das Innenministerium

Die Piraten kapern das Innenministerium, Steinmeier sitzt schon im Kanzleramt und die Finanzpolitik wird violett? Diese bunten Wahlkampf-Blüten sind aktuell auf der Plattform whatsyourplace.de zu bewundern, dem „Facebook für Plätze“. Mitglieder können dort jeden Platz der Welt virtuell besitzen und nach außen darstellen. Die Parteien haben jetzt diese Möglichkeit für sich entdeckt, um direkt auf dem Gelände wichtiger Polit-Schaltstellen um Stimmen zu werben und so im Onlinewahlkampf neue Wege zu gehen.

Hier eine Liste ausgewählter Grundstücke in Parteienhand (der Link führt direkt zum Grundstück):

Interessant wird die virtuelle Landnahme auf whatsyourplace.de durch die exklusiven Rechte, die mit dem „Landbesitz“ verbunden sind. Denn zu jedem Platz gehört ein Online-Grundbucheintrag, über dessen Inhalte in Text und Bild allein dessen Besitzer entscheidet. Besucher des Innenministeriums finden nun etwa die Forderungen der Piraten für einen besseren Schutz der Privatsphäre vor, während die SPD auf dem Kanzleramt eine einseitige Analyse des TV-Duells aus ihrer Sicht anbietet.

Das aktuelle Parteiengeplänkel ist natürlich nur eines von vielen Themen, welche sich auf whatsyourplace.de abspielen. Die Möglichkeit, eigene Lieblingsplätze exklusiv nach außen darzustellen wird vor allem von Privatpersonen mit starkem Ortsbezug genutzt. Die Mitglieder tauschen sich über die Plätze aus, so dass auf den Grundbüchern häufig lebhafte Diskussionen entstehen, die der Landbesitzer moderiert. Die dabei entstehende Themenvielfalt zeigt unter anderem das neu aufgesetzte Verzeichnis der Themenringe (ein Themenring ist eine Liste thematischer verwandter Plätze).

Während die Mitgliedschaft kostenlos ist, wird ein Hektar virtuelles Land auf 9,95 Euro taxiert – jedoch nur, so lange das begehrte Grundstück nicht bereits durch ein anderes Mitglied belegt wird, denn dann entscheidet der Eigentümer über den Wiederverkaufspreis. „Unverkäuflich“ aber auch Mondpreise von einigen Tausend Euro, die wohl eher aus Spaß eingetragen wurden, sind dabei häufige Eingaben im Preisfeld.

Der Handel ist jedoch nur ein Nebenthema auf WhatsYourPlace: „Unsere Mitglieder kaufen in der Regel persönliche Lieblingsplätze, und wollen diese nicht wieder verkaufen, sondern online darstellen und dauerhaft behalten“ erläutert Tobias Lampe, Geschäftsführer von WhatsYourPlace die häufigste Kaufmotivation. „So entsteht eine Weltkarte der persönlichen Erinnerungen und der Leidenschaft für die schönsten Plätze dieser Erde.“