Climeon: Abwärme liefert Energie auf Kreuzfahrtschiff

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Umfassende Warentransporte werden per Schiff abgewickelt. Damit ergibt sich hier ein besonders großes Potenzial für Ansätze, die die Energiewende stützen können. Climeon macht es vor und geht den Weg gemeinsam mit Viking Line.

Heat Power System von Climeon: Abwärme von Motoren sinnvoll nutzen

Die Werft Xiamen Ship Building Industry in China hat die „Viking Glory“ gebaut. Das Schiff, das demnächst die Fahrten von Turku nach Stockholm und umgedreht übernehmen soll, wird in 2021 in Dienst gestellt und als modernes RoPax-Schiff unterwegs sein.

Das Besondere dabei: Die „Viking Glory“ wird Abwärme zur Energiegewinnung nutzen und beantwortet damit die Frage, wie die Seefahrt nachhaltiger werden kann.

Das Heat Power System von Climeon: Energy Recycling bei Viking Line (Video)

Bei Viking Line arbeitete man bereits bei der Entwicklung der „Viking Grace“ mit Climeon zusammen, wobei das Schwesterschiff der heutigen „Viking Glory“ schon 2013 in Dienst gestellt worden war.

Das Heat Power System ist damit kein komplettes Novum, setzte man doch bei dem als damals umweltfreundlichstes Schiff der Welt ausgezeichneten RoPax-Modell auf die Installation eines Wärmekraftmoduls.

Die „Viking Glory“ dürfte ihre kleine Schwester aber um einiges übertreffen und soll zum Beispiel rund 10 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen, obwohl sie deutlich größer ist.

Climeon setzt bei seinem Heat Power System, das damit dem Energy Recycling dient, auf die Nutzung der Abwärme, die im Schiffsbetrieb in hohem Maße anfällt. Die News haben von der Errungenschaft der Company berichtet, die auf die Climeon-Einheit setzt.

Viking Glory. Das Climeon System findet sich links oben. (Foto: Viking Line)

Viking Glory. Das Climeon System findet sich links oben. (Foto: Viking Line)

Diese überträgt per Wärmetauscher die Wärme auf ein Fluid, das im Kühlwasser enthalten ist und das bei niedrigen Siedetemperaturen verdampft. Die Dämpfe werden an der eigens installierten Turbine entspannt, was wiederum einen Kondensator antreibt und Strom erzeugt.

Am Ende der Turbine wird das Arbeitsfluid kondensiert, weil es hier einen direkten Kontakt mit dem gekühlten Fluid erfährt. Grob vereinfacht bedeutet das: Climeon ist es gelungen, die Abwärme, die ansonsten ungenutzt bliebe, sinnvoll zu verwenden und setzt dafür auf ein Modul, das die Wärme per Dampfturbine in Strom umzuwandeln vermag.

Solche Systeme zum Energy Recycling wurden den News entsprechend schon vor längerer Zeit in der Industrie genutzt, die ersten wirklichen Praxiserfahrungen machte die Company bei der „Viking Grace“. Die jetzt verwendete Dampfdruckturbine ist speziell auf die Anforderungen auf der „Viking Glory“ zugeschnitten, der dafür nötige Prototyp wurde lange Zeit von Climeon und Viking Line getestet.

Video: Climeon & Viking Line

Das umweltfreundlichste Schiff der Welt: Die „Viking Glory“ gilt künftig als Maßstab (Video)

Bei Viking Line ist man sich sicher, dass die „Viking Glory“ künftig als Maßstab gelten wird, wenn es um die Bereiche Energieeinsparung und Rückgewinnung von Abwärmeenergie auf Schiffen geht. MSC Cruises ist mittlerweile ebenfalls auf den Spuren von Climeon unterwegs bzw. kooperiert mit dem schwedischen Unternehmen.

Nicht nur das Climeon System wird hohe Mengen an CO2 einsparen, allgemein wird die gesamte Schifffahrtsindustrie bestrebt sein, entsprechende Lösungen zu fördern und weiterhin umzusetzen.

Video: Viking Gloryn vesillelasku-live

Die Errungenschaften auf der „Viking Glory“

Die „Viking Glory“ wird in Zukunft nicht nur in Sachen CO2-Einsparung (geplant sind bis zu 4.000 Tonnen) von sich reden machen.

Auch weitere Systeme kommen auf dem Schiff zum Einsatz und sind der Zusammenarbeit mit diesen Firmen entsprungen:

  • Deltamarin
  • Viking Line
  • Climeon
  • Wärtsilä
  • ABB Marine
  • Koncept
  • Kone
  • Projektia

Neben den genannten Firmen sind noch zahlreiche weitere Unternehmen an der Entwicklung der „Viking Glory“ beteiligt gewesen und sie alle trugen einen erheblichen Teil dazu bei, dieses Schiff nachhaltiger werden zu lassen. Im Sinne der Energieersparnis wurde daran gearbeitet, die „Viking Glory“ manövrierfähiger werden zu lassen.

Dies ist durch die neuen Azipod-Antriebssysteme von ABB Marine möglich geworden. Die Company berichtete den News der Ship Industry, dass durch das neuartige Propellersystem weniger energieaufwendige Wendungen möglich seien, was Zeit und Treibstoff sparen würde.

Wärtsilä trug mit dem neuen Motor dazu bei, die „Viking Glory“ energieeffizienter werden zu lassen. Genau genommen wurden sechs 31DF-Zweistoffmotoren verbaut, die mit der höchstmöglichen Zylinderleistung von 500 kW arbeiten. Zudem kommt die „Viking Glory“ mit LNG aus und setzt damit auf den umweltverträglichen Kraftstoff biologischer Herkunft.

Damit verbunden ist die Lagerung bei Niedrigtemperaturen an Bord des Schiffes, was wiederum für Abfallkälte sorgt. Diese wurde bislang nicht genutzt und wird an Bord des Schiffes der Viking Line zum Betreiben der Kühlräume, Kühltheken und spezieller Betriebsräume genutzt. „Waste Cold“ war gestern, heute steht alles im Zeichen des Energy Recyclings, wie die Company Viking Line weiß.

Die Viking Glory wird mit dem Climeon Heat Power System eines der klimafreundlichsten Passagierschiffe der Welt sein. (Foto: Viking Line)

Die Viking Glory wird mit dem Climeon Heat Power System eines der klimafreundlichsten Passagierschiffe der Welt sein. (Foto: Viking Line)

Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch das neuartige Heiz- und Klimasystem, welches an das Buchungssystem an Bord gekoppelt ist. Stellt Letzteres beim Auslaufen des Schiffes aus dem Hafen fest, dass einige Kabinen nicht belegt sind, werden dort Klimatisierung und Heizung gedrosselt. Damit wiederum lässt sich Energie sparen.

Neben Climeon: Auch MSC Cruises forscht weiter

MSC Cruises forscht ebenfalls an nachhaltigen Technologien, die den Seeverkehr nachhaltiger werden lassen und die auch wirtschaftlich sinnvolle Lösungen darstellen.

Es geht nicht nur um die Verwendung der Technik aus dem Hause Climeon, sondern auch um weitere technologische Errungenschaften, die unter anderem auf der „MSC Virtuosa“ sowie auf der schon bald in Dienst zu stellenden „MSC World Europa“ eine Rolle spielen werden.

Zudem forscht MSC zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Vasaa in Finnland sowie einigen Partnern aus der Industrie am CHEK-Projekt. Dieses wird durch die EU gefördert, die Fördergelder werden für mehr Nachhaltigkeit im Schiffsverkehr eingesetzt.

Hier arbeiten noch viele weitere Unternehmen mit, so zum Beispiel:

  • World Maritime University Malmö
  • Climeon
  • BAR Technologies
  • Deltamarin
  • Wärtsilä
  • HASYTEC
  • Cargill
  • Silverstream Technologies
  • Lloyds Register

Es geht hier um neue Errungenschaften in Sachen Antifouling, bei dem man nun auf Ultraschall statt auf konventionelle Maßnahmen setzt.

Zudem wird an neuen Systemen zur Abfallverbrennung an Bord der großen Kreuzfahrtschiffe geforscht, denn auch das ist ein wichtiges Thema, dem in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen wurde und das die Ökobilanz eines Schiffes nachhaltig beeinflusst. Die Ship Industry wird auch dabei Wege finden und sicherlich auch weiterhin auf die Lösungen von Climeon setzen.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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