In einer Welt, die von Beschleunigung, einer ständigen Erreichbarkeit und Leistungsdruck geprägt ist, sehnen sich viele Menschen nach Entschleunigung und einer bewussten Lebensgestaltung. Und tatsächlich sind Aspekte wie mentale Gesundheit, Gelassenheit und Ruhe eigentlich essenzielle Bestandteile unseres Wohlbefindens. Im Alltag kommen diese allerdings oft zu kurz. Da aktuell viele Menschen Pläne für die Urlaubssaison 2026 schmieden, stellt sich natürlich die Frage: Kann man nicht das Bedürfnis nach Gelassenheit und Entschleunigung mit dem Reisen verbinden? Die Antwort ist eindeutig: Ja, man kann, und das sogar sehr gut.
Hygge verstehen: Mehr als nur Gemütlichkeit
Das dänische Wort „Hygge“ lässt sich nicht eins zu eins in andere Sprachen übersetzen, im Kern steht es jedoch für Gemütlichkeit, Geborgenheit und das bewusste Erleben des Augenblicks. In den letzten Jahren hat es sich von einem rein nordischen Lebensgefühl zu einer globalen Bewegung entwickelt, bei der das Bedürfnis nach Sicherheit, Verbundenheit, Wärme und Präsenz im Hier und Jetzt im Mittelpunkt steht. Ihr Ziel: Sie kann den Menschen dabei helfen, dem ständigen Druck des Alltags besser standzuhalten. Es geht hier also nicht um einen flüchtigen Trend, sondern um ein zeitloses Leitbild für ein bewusstes Erleben und zum Innehalten.
Was Hygge mit dem Reisen zu tun hat
Reisen können so unterschiedlich und vielfältig sein wie die Menschen selbst. Während manche den Adrenalinkick in fernen Metropolen suchen, sehnen sich andere nach Orten, an denen sie zur Ruhe kommen und den Rhythmus ihres Lebens verlangsamen können. Letzteres entspricht der Philosophie von Hygge: Es geht nicht um das „Mehr“ an Aktivitäten und Action, sondern um das „Weniger“ an Hektik und das „Mehr“ an Präsenz. In der Reisebranche gibt es dafür sogar spezielle Begriffe: „Slow Travel“ etwa oder „Mindful Travel“. Das sind Reiseformen, welche die Urlauber, die Landschaften und die Erlebnisse in den Mittelpunkt stellen und nicht bloß das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Ein solcher Ansatz bedeutet, sich auf einen Ort wirklich einzulassen und ihn nicht nur im Rahmen eines straffen Programms zu besuchen und dann weiterzureisen.
Wer beispielsweise mehrere Tage an einer Küste verbringt, die Natur und das Licht genießt oder bewusst Zeit mit den Menschen vor Ort verbringt, erlebt eine andere Art von Urlaub. Einen Urlaub, der zur inneren Balance beiträgt und wirklich Stress abbaut. Allerdings braucht es für diesen Ansatz Unterkünfte, die Raum für Entspannung und Reflexion bieten, und keine Bettenburgen im lauten Partyviertel. Ein gutes Beispiel dafür sind gemütliche Häuser in naturnahen Regionen, in denen man sich bewusst Zeit nimmt, um Abstand vom alltäglichen Tempo zu gewinnen. In denen man sich zu guten Gesprächen am Feuer trifft oder einfach die Stille der Umgebung genießt, und das natürlich ganz ohne einen strikten Zeitplan.
Wer Hygge wirklich leben will, der weiß, dass etwa ein Ferienhaus auf Römö diesen Raum gibt: für bewusste Wahrnehmungen, für Gespräche ganz ohne Eile und für Rituale, die einfach glücklich machen. Vielleicht bei einem gemeinsames Frühstück mit Blick auf die Wellen, bei einem Spaziergang bei Sonnenuntergang oder einem guten Abendessen bei Kerzenlicht.
Hygge und die Wurzeln
Dass Hygge ausgerechnet in den nordischen Ländern und insbesondere in Dänemark entstand und dort bis heute gelebt wird, ist nicht verwunderlich. Die langen dunklen Winter und das mitunter raue Klima brachte und bringt die Menschen dazu, Wärme und Geborgenheit bewusst im Miteinander und im Alltag zu suchen. Genauer betrachtet ist Hygge auch gar kein Konzept, sondern eine Sehnsucht oder Erfahrung. Für die Menschen in Dänemark ist es das Gefühl, nach einem langen Tag die Tür hinter sich zu schließen und zu wissen, dass man nicht mehr funktionieren muss. Oder das langsame Gespräch am Küchentisch, das nicht auf Effizienz ausgerichtet ist, sondern auf wirkliche Nähe.
Es ist auch quasi eine Erlaubnis, Pausen und kleine Auszeiten nicht als Schwäche, sondern als Notwendigkeit zu begreifen. Diese Haltung könnte man in einer Zeit, in der ständige Produktivität als das Maß aller Dinge angesehen wird, fast schon rebellisch sein. Aber im positiven Sinne.
So kann Hygge im Urlaub „funktionieren“
Übertragen wir diese Philosophie auf das Reisen, wird klar: Hygge bedeutet auch, Erwartungen loszulassen. Statt einen Ort „perfekt“ erleben zu wollen, geht es darum, sich vom ihm überraschen zu lassen. Es muss auch nicht jeder Tag spektakulär sein. Manchmal erlebt man die intensivsten Momente gerade in unspektakulären Situationen: beim Beobachten des Regens am Fenster, beim Lesen eines Buches in einem gemütlichen Café oder beim ziellosen Schlendern ohne Navigations-App.
Hygge verändert auch die Art, wie wir die Zeit wahrnehmen. Während klassische Städte- oder Pauschalreisen oft bis zum letzten Augenblick durchgetaktet sind, lädt eine hygge-inspirierte Reise dazu ein, Lücken im Tagesablauf bewusst zu genießen. Diese offenen Zeiträume sorgen oft für unvergessliche spontane Begegnungen, kreative Gedanken oder einfach das Gefühl, nicht „unterwegs sein zu müssen“, sondern wirklich auszuspannen. Vielleicht ist das tatsächlich der schönste Gedanke: Wenn wir Hygge im Gepäck haben, reisen wir nicht nur durch Länder, sondern auch achtsamer durch uns selbst.

